von: mediamag.at-Redaktion

Gartentipps von Karl Ploberger

Biogärtner aus Leidenschaft im Interview

Seit Jahrzehnten erweitert der Autodidakt mit dem grünen Daumen sein Wissen rund um Beete, Pflanzen, Dünger & Co. und gibt es gerne weiter.

Unkrautzupfen ist für Karl Ploberger wie autogenes Training.
Foto: Karl Ploberger

Karl Ploberger macht Lust auf das Anlegen, Pflegen und Hegen von Grünoasen drinnen und draußen. Er selbst hat sich in seiner Anfangszeit einen Dschungel auf einem eineinhalb Quadratmeter großen Balkon realisiert. Bis heute zieht er Kräuter in Töpfen, auch wenn sein Garten am Attersee mittlerweile eine beachtenswerte Größe hat. mediamag hat ihn zu einigen wichtigen Themen für Hobbygärtner befragt.

MediaMagazin: Kommen wir gleich zur Sache: Welche Tipps haben Sie für das „Gärtnern ohne Chemie“?

Karl Ploberger: Wer die richtigen Pflanzen wählt, ­organisch düngt und regelmäßig wässert, der sorgt für ein robustes Wachstum. Damit sind die grünen Lieblinge weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge. „Richtige“ Pflanze bedeutet, dass unbedingt auf den Standort geachtet werden muss. Auf sonnigen heißen Balkonen wachsen andere Pflanzen (mediterrane Kräuter, Tomaten oder Citrus­gewächse) als an schattigen Plätzen. Dort gedeihen ­Salate, Schnittlauch, Petersilie besser, Fruchtgemüse hingegen kaum.

Was lieben Sie am meisten an der Gartenarbeit?

Das hängt von der jeweiligen Situation ab. Wenn ich im Stress bin, ist mir das Unkrautzupfen am liebsten. Es ist für mich wie auto­genes Training – vom Hinknien auf einem bestimmten Kissen über das Wühlen in der Erde und das Entfernen von Unkraut und Wurzeln bis zur Freude über die lockere Erde. Nach einer Stunde ist das Beet fertig und ich in einer anderen Welt.

Gartentipps von Karl Ploberger
Foto: Karl Ploberger

Also der perfekte Ausgleich?

Ja, obwohl ich auch gern laufen gehe. Aber es gibt Zeiten, in denen man faul sein möchte und dann ist ein begrünter Außenbereich ideal. Ich will keinen Zwang, weder im Privatleben noch beim Sport oder beim Garteln. Ich will mich nicht hetzen lassen.

Das klingt sehr entspannt. Haben Sie eine Empfehlung für Menschen ohne „grünen Daumen“?

Es ist wie immer im Leben. Einfach einmal anfangen. Nicht zu viel vornehmen und mit ­einem Kräuterkisterl, einer Schale mit Salatpflanzen oder einem Topf mit einer Tomatenpflanze beginnen. Letztendlich macht der Genuss süchtig – nach mehr selbstgezogenen köstlichen Kräutern und Gemüse­arten. Es wird auch die Lust am Experimentieren geweckt.

Welche Utensilien sind Pflicht?

Man benötigt weniger als man denkt: Wichtig sind große Töpfe und Erde, Handschuhe, wenn man nicht gerne direkt in der Erde wühlt, unbedingt ein, zwei große Gieß­kannen oder Schläuche. Und dann Schaufeln, Rechen und eine wirklich gute Schere!

Sie propagieren den Garten für intelligente Faule. Wie stehen Sie zu smarten Geräten im Grünen?

Davon bin ich absolut kein Gegner. Mein Garten ist allerdings so viel­fältig gestaltet, dass ein Mähroboter keinen Sinn macht. Was ich nicht empfehle, sind riesige Flächen, die pausenlos – auch in der Nacht – getrimmt werden. In jedem Garten sollte sich Platz für ein Stück unberührte Blumenwiese finden. Intelligente Geräte fahren drum herum. Für einen gepflegten Garten sind maximal drei Stunden Betrieb am Tag ausreichend. So haben auch Nachbarn, Igel und Mäuse ein ­ruhiges Leben.

Und Ihr persönlicher Technologiezugang?

Nie verzichten würde ich auf meine Wetterstation im Garten. Mit ihr habe ich Temperaturen, Regen­menge und Windstärke immer im Auge. In meinem Gewächshaus habe ich eine vollelektronische Steuerung. Dort bin ich selbst der Wettermacher!

Basilikum
Foto: Karl Ploberger

Wer kümmert sich um Ihren Garten, wenn Sie länger unterwegs sind?

Ich habe eine Gartenhelferin, eine Enthusiastin meines Kalibers, die seit neun Jahren im Team ist. Sie ist ca. 1,5 Stunden täglich vor Ort und wir kommunizieren per WhatsApp, wenn es Fragen gibt. Ich treffe ­Entscheidungen via Foto – auch aus der Wüste, wenn’s sein muss.

Seit Februar gibt es eine App von Ihnen. Was darf man sich erwarten?

Seit Jahren trudeln so viele Fragen bei mir ein, wann was zu tun ist. „Plobergers Live-Gartentipps“ habe ich gemeinsam mit einem Freund entwickelt, um die wichtigsten ­anstehenden Arbeiten im Garten zu einem Durchschnittszeitpunkt aufzuzeigen.

Wie kommt sie an?

Das Feedback ist sehr positiv. Die User werden an Essenzielles erinnert und haben weniger Mühe. Wir sind seit dem Valentinstag online und ­haben mehr als 6.000 Abonnenten. Rein durch Mundpropaganda, ohne aktive Werbung. 10.000 App-User im Lauf des Jahres wären toll. Auf jeden Fall wollen wir kostenlos bleiben.

Toi, toi, toi! Wenn wir Sie aber schon per­sönlich greifbar haben: Was ist in den ­kommenden Wochen zu tun?

Das Wichtigste beim Garteln ist ­immer: nichts übereilen. Es gibt ­viele Pflanzen, vor allem im Gemüse­bereich, die viel Wärme benötigen. Pflanzt man sie zu früh, wachsen Tomaten, Gurken, Zucchini, Basilikum und Bohnen das ganz Jahr über schlecht. Einige robuste Arten kann man schon jetzt setzen oder säen. Dazu zählen alle möglichen Salate, Radieschen, Karotten und die robusten Vitaminspender unter den Kräutern – beispielsweise Schnittlauch, Rosmarin, Salbei oder Thymian.

Ihre grüne Karriere startete mit 1,5 m² ­Balkon. Heute misst Ihr Reich rund um die Waldvilla Karulli 2.500 m². Gibt es noch Träume?

Ich würde mein Biotop gerne auf ­einen großen Schwimmteich upgraden. Wobei das eigentlich ein Wahnsinn ist, weil ich in See­walchen lebe. Nur fünf Minuten Fußweg vom Attersee entfernt. Ein ver­fügbares Grundstück gäbe es, aber um ehrlich zu sein: Meine Frau greift sich dazu nur auf den Kopf. (lacht)

Pelargonien, mehrjährige Gehölze und Nutzpflanzen eigenen sich für die Begrünung von Balkon und Terrasse.
Foto: Karl Ploberger

Garteln ohne Garten

Wie begrüne ich Balkon und Terrasse effizient und ohne viel Aufwand zu haben?  Es gibt drei unterschiedliche Arten von Pflanzstrategien bzw. ist ein Mix der folgenden Kategorien empfehlenswert:

  1. Einjährige Blumen wie die extrem robuste Pelargonie.
  2. Mehrjährige Gehölze, die in Töpfen und Trögen wachsen.
  3. Nutzpflanzen – also von der Tomate bis zum Basilikum – alles, was schmeckt.
     

Und worauf kommt es danach an?

Das Um und Auf bei allen Bepflanzungen ist die Bewässerung. Sie sollte man so automatisch wie nur möglich machen. Denn an heißen Sommertagen würden die Pflanzen relativ rasch kaputt gehen, wenn man ein paar Tage wegfährt und niemanden zur Pflege hat. Gute Erde und organischer Dünger sind freilich beim Anpflanzen das Wichtigste.

Gemüse aus eigener Ernte bringt Abwechslung in die Ernährung.
Foto: Karl Ploberger

Trend zum Selbsterhalter

Einen reinen Selbstversorger-Garten anzulegen, ist schwierig, aber ich denke, dass man mit ein wenig Geschick und Übung von Juni bis in den September hinein, sich gut mit frischen Vitaminen versorgen kann. Vor allem die Vollversorgung mit Salaten (Pflücksalate!) ist ein erster Schritt. Kommen dann viele der wichtigsten Küchenkräuter dazu, ist das kleine Paradies schon im Werden!

Wie wichtig ist gerade in diesen Zeiten die Gartenarbeit im Freien?

Wer in diesen schwierigen Zeiten das Privileg eines Gartens oder einer Terrasse hatte, konnte in Zeiten des Lockdowns Kraft in der Natur schöpfen. Man lernt sehr rasch, dass Ungeduld nichts bringt – beim Garteln, wie im Alltag.

Große Töpfe und hochwertige Erde sind wichtig für Hobbygärtner.
Foto: Karl Ploberger

Must-haves zum Garteln

Karl Ploberger empfiehlt große Töpfe, hochwertige Erde und Handschuhe für alle, die nicht gerne direkt in der Erde wühlen. Zusätzlich dürfen ein oder zwei große Gießkannen bzw. Wasserschläuche nicht fehlen. Ebenso wie Schaufeln, Rechen und eine wirklich gute Schere. Mit einer Wetterstation von Netatmo behält er Temperatur, Regenmenge und Wind im Auge.

„Garteln ohne Garten“ ist das 23. Buch von Karl Ploberger.
Foto: av Buch

Grünen Daumen mit Buch und App „schulen“

„Garteln ohne Garten“ heißt das 23. Buch von Biogärtner Karl Ploberger. Er verrät darin, wie man mit Blumen das Raumklima verbessert und mit diversen Schädlingen fertig wird. In weiteren Kapiteln erklärt er, wie man auf dem Balkon oder der Terrasse zur reichen Ernte von eigenem Obst, Gemüse, Beeren und Kräutern kommt. Oder auch wie man Indoor hippe Microgreens zieht.

Wer sich per App perfekt getimte Gartentipps auf dem Smartphone oder Tablet erhalten möchte, kann sich Plobergers Live-Gartentipps (iOS I Android) installieren.