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Gaming: Vom Hobby zur Berufung

Videospiele als Leidenschaft

Immer mehr Gamer setzen sich in ihrer Freizeit vor die Konsole oder den PC, um sich mit Freunden zu treffen, Neues auszuprobieren oder einfach Spaß zu haben. Für MrGrexx sind Spiele jedoch weit mehr als nur ein Hobby.

  Lesedauer: 8 Minuten

Gaming Vom Hobby zur Berufung
Bild: Content Creation GmbH

Die Leidenschaft ruft

Montag, 8 Uhr morgens. Der Wecker läutet, die Nacht war kurz. Zwischen September und Februar verbringt Gregor die Sonntag-Abende damit, American-Football zu verfolgen. Aufgrund der Zeitverschiebung kann es schon Mal später werden. Die Spiele verfolgt er auf dem zweiten Monitor seines PCs. Auf dem anderen wird gezockt. American Football ist nämlich nicht sein einziges Hobby. 

Zeit für einen Kaffee. Am liebsten mit Milch, ohne Zucker. Während das Koffein die Müdigkeit bezwingt, nimmt er das Smartphone zur Hand. Statt wie früher durch Social Media, scrollt er durch die neuen Kommentare seiner Videos. Jedem will er im Laufe des Tages antworten. In der Früh ist ein guter Zeitpunkt, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Aktuell hält sich der Aufwand fürs Community Management aber ohnehin noch in Grenzen. Sein YouTube- und TikTok-Kanal „MrGrexx“ startete erst vor wenigen Monaten. Seine Gaming-Karriere jedoch schon vor vielen Jahren.

Freunde fürs Leben

Gespielt hat er eigentlich schon immer. Er erinnert sich noch an die Zeiten, als er als Sechsjähriger auf dem Nintendo 64 mit Mario die Prinzessin befreien musste. Oder sich im Rennspiel Trackmania mit anderen Spielern einem „Clan“ angeschlossen hat. So nannte man damals Mannschaften, die gemeinsam trainierten, um dann gegen andere anzutreten. „Waren Schule und Hausübung erledigt, haben wir uns im Spiel getroffen, Neuigkeiten ausgetauscht und um die Hundertstel auf der Rennstrecke gekämpft.“

Seine Gaming-Karriere began mit sechs Jahren.
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Heute blickt er emotionaler auf die Zeit zurück: „In der Schule war ich eher der Außenseiter. Introvertiert sowieso. Videospiele waren damals noch ein Randphänomen, dem viele skeptisch gegenüberstanden. Für mich waren sie aber eine Chance, Freunde zu finden und Ziele zu verfolgen. Das gab mir viel Halt und eine Orientierung. Bewusst war ich mir dessen damals aber nicht. Primär hat es einfach Spaß gemacht.“

Mit Beginn des Studiums beschließt er, mehr aus seinem Hobby machen zu wollen. Er gründet mit zwei Schulfreunden einen Gaming-Blog, um über Videospiele zu schreiben. Heute gibt es vieles, an das sich Gregor gerne erinnert. Er erzählt von FIFA 14, das erste Spiel, das er als Testmuster bekommen hat. Von LAN-Partys in seinem Wohnzimmer, wo er mit Freunden bei Pizza und Cola nächtelang alte Klassiker spielte. Oder von der größten Spielemesse, der gamescom, die er acht Mal besuchte. „Die gamescom ist ein ganz besonderes Erlebnis. Du siehst und testest Spiele, lange bevor sie offiziell erscheinen, darfst mit Entwicklern aus der ganzen Welt reden und wirst abends von Publishern auf Events eingeladen. Man ist umgeben von tausenden Menschen, die eine unglaublich starke Leidenschaft miteinander verbindet. Viele Menschen, die ich übers Gaming kennengelernt habe, begleiteten mich über viele Jahre und zählen auch heute noch zu meinen besten Freunden.“

Eine Krise voller Chancen

Mit der Zeit beginnt der Blog aber langsam zu verstauben. Das Feuer der Begeisterung droht im immer dichteren Alltag zu ersticken. „Untertags versuchte ich, Arbeit und Hobbys abseits von Videospielen und das immer noch laufende Studium unter einen Hut zu bringen. Abends wollte ich dann Zeit mit meiner Freundin verbringen oder mich entspannt vor den PC setzen und mit den Jungs ein paar Runden zocken. Zeit für den Blog blieb leider immer weniger.“ 

Während Corona startete die Streaming-Idee.
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Doch dann kam 2020. Die für viele bedrückenden Lockdowns nutzt er, um sich neu zu ordnen. „Während der Anfänge von Corona haben wir viel Zeit gemeinsam online verbracht und gespielt. Viel mehr war ja nicht zu tun. Da habe ich es richtig genossen, den Kopf wieder etwas freizubekommen.“

Nicht nur für Gregor waren Videospiele in dieser Zeit eine Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben und mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Laut dem Digitalverband Bitkom spielten allein in Deutschland während Corona 2,5 Millionen mehr Menschen Videospiele als davor. „Der Hype war gigantisch“, erzählt er. „Da gab es zwei, drei Spiele, über die hat jeder geredet, jeder hat sie gespielt. Und die Server waren mit der hohen Spielerzahl vollkommen überfordert. Einmal gab es ein Update in einem Spiel. Aus Europa hätte der Download mehrere Stunden gedauert. Auf Reddit hatte ich aber gelesen, dass jemand über amerikanische Server deutlich schneller laden konnte. Die Anleitung, die ich auf dem Blog dazu geschrieben habe, wurde innerhalb kurzer Zeit von zehntausenden Menschen gelesen.“ 

Hinter jedem YouTube-Kanal steckt viel Zeit.
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Gaming-Blogs, Streamer und YouTuber erlebten 2020 einen enormen Höhenflug. „Nach und nach begann ich wieder mehr zu schreiben und sah, wie meine Texte unglaubliche Reichweiten erzielten. Auch die Kanäle von YouTubern und Streamern explodierten. Ich spürte, wie die alte Leidenschaft plötzlich wieder voll entfachte. Mit einem Unterschied: Ich wollte nicht länger schreiben. Ich wollte Videos machen.“ 

Neue Ufer und alte Herausforderungen

Gregor beschließt einen YouTube-Kanal zu starten. Mit seinen Videos will er Menschen beraten, bei Problemen helfen und den Spaß am Spielen vorleben. Auf dem Kanal von „MrGrexx“ findet man Hardware-Empfehlungen, Gameplay-Tipps und Strategien zu aktuellen Spielen. „Im Vergleich zu früher brauche ich keine Spielemuster mehr und muss auch nicht bei jedem Event dabei sein. Ich möchte mir eine kleine Community aufbauen, wo sich Leute austauschen können und wo man seine Leidenschaft mit anderen teilen kann.“ 

Die Anforderungen sind hoch.
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Nach und nach begann jedoch die Normalität wieder Einzug in den Alltag zu halten. Uni-Veranstaltungen fanden wieder vor Ort statt und in der Arbeit war wieder mehr zu tun. Andere Hobbys, schönes Wetter und viel zu lange Urlaubsabstinenz lockten nach draußen. „Mir war klar, dass es nicht leicht wird. Videos zu produzieren kostet viel Zeit. Du brauchst eine Idee, musst das nötige Material aufnehmen, alles einsprechen und am Ende noch nachbearbeiten. Wichtig ist zudem die Regelmäßigkeit. Auf YouTube sollte man zumindest einmal pro Woche ein Video hochladen. Ohne gute Organisation hat man im Alltag keine Chance.“ 

Wichtig ist laut ihm auch das richtige Equipment: „Wer heute auf YouTube oder Twitch wachsen will, braucht auch das passende Setup. Ein Mindestmaß an Qualität wird mittlerweile vorausgesetzt. Eine hochauflösende Kamera, viel Licht und vor allem ein gutes Mikrofon sind empfehlenswert. Anfangs habe ich das alles aber auch erst herausfinden müssen. Da gab es Fragen wie: Welche Kamera eignet sich für dauerhaftes Filmen? Wie bringe ich das Signal zum PC? Was ist der Unterschied zwischen einem Kondensator- und einem dynamischen Mikrofon? Vermeintliche Kleinigkeiten, die aber stundenlange Recherche erforderten. Dann kam noch hinzu, dass während Corona manches schlicht nicht lagernd war. Auf internationale Online-Händler wollte ich aus persönlicher Überzeugung so gut es geht verzichten. Also bin ich teilweise durch die halbe Stadt gefahren. Einiges hatten die großen MediaMärkte, für anderes musste ich in ganz kleine Shops in die unscheinbaren Seitengassen Wiens.“

Als MrGrexx präsentiert sich Gregor auf YouTube.
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Zeit für Veränderung

Die Devise lautet: Wer Gaming-Videos macht, sollte Spiele in bestmöglicher Qualität herzeigen. Nachdem sein Gaming-PC schon einige Jahre gedient hatte, war es auch hier Zeit für ein Upgrade. „Ich wollte immer schon einen PC mit Wasserkühlung. Ich glaube, jeder PC-Spieler kann das irgendwo nachvollziehen. Zugegeben, finanziell lohnt sich das nicht, aber es sieht einfach unglaublich gut aus. Und nachdem in meinen Videos auch mein Gaming-Raum zu sehen ist, hatte ich die perfekte Ausrede, so richtig zu übertreiben.“ Das Ergebnis: Drückt er auf den Start-Knopf, beginnt sein neuer Rechner in allen Farben zu leuchten. Lüfter, Grafikkarte und sogar Stromkabel sind mit RGB-Beleuchtung ausgestattet. Und vom Display der Wasserkühlung lassen sich Betriebstemperaturen von Grafikkarte und Prozessor ablesen. 

Neue Hardware hilft beim Aufnehmen.
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Der Kaffee ist mittlerweile ausgetrunken. Für heute ist ein neues Video geplant. Gregor setzt sich an seinen Schreibtisch und blickt in zwei große Monitore. Das erleichtert die Arbeit, sagt er. Links und rechts beleuchten Streaming-Lampen die Szene. Über dem rechten Bildschirm ragt die Kamera auf ihrem Stativ hervor. Seitlich steht das Kondensatormikrofon. Links im Bild leuchtet der PC, hinter ihm versammeln sich Highlights seiner Sammlung auf einem Regal. Heute blickt er voller stolz auf seinen – bis in den letzten Winkel bunt beleuchteten – Gaming-Room. Ein Raum voller Geschichten und einem Menschen in dessen Mitte, den eine Leidenschaft unermüdlich antreibt. 

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